Kurzbeschreibung der Workshops

Spielen bei Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Komplexer Behinderung

München, 15./16. März 2019 und Hamburg, 29./30. März 2019

WS-A

Bewegung und Spiel bei Menschen mit komplexer Behinderung

Referentin:
Dr. Kirsten Fath
Magister Artium (M.A.) Sportwissenschaft, Psychologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie und berufsbegleitende Promotion zum Dr. phil. an der Universität Heidelberg
Dozentin an der Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Diakonie Mosbach, Praxislehrertätigkeit sowie Konzeption und Organisation von Tagungen

In dem Workshop wird das "Integrative Sport und Bewegungskonzept", welches Frau Dr. Fath für Menschen mit komplexer Behinderung entwickelt hat vertiefend vorgestellt. Ziel dieses Konzeptes ist es, Menschen mit Komplexer Behinderung den Zugang zu Sport-, Spiel und Bewegungsangeboten in Gruppen zu ermöglichen. Damit steht im Mittelpunkt des Workshops das Eigenerleben von Bewegungsspielen und Bewegungsübungen, das Reflektieren anhand von Videobeispielen und das Vertiefen des theoretischen Ansatzes, vor allem im Hinblick auf die Didaktik und Methodik sowie das Interventionskonzept für stereotype und selbstverletzende Verhaltensweisen.

WS-B

Basales Spiel - Spielen als eine Form der Interaktion mit Kindern mit einer Komplexen Behinderung

Referentin:
Sabine Knoblauch
Studiendirektorin, Bereichsleiterin der Fachrichtungen geistige Entwicklung sowie körperliche und motorische Entwicklung am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Heidelberg, Multiplikatorin der Basalen Stimulation®

Im Workshop wird mit den Teilnehmer*innen ausgehend von der eigenen Spielbiographie ein Verständnis von Spielen als Form der voraussetzungslosen Interaktion mit Kindern mit einer komplexen Behinderung erarbeitet.
Es werden Spielmöglichkeiten vorgestellt, das Aufgreifen von Spielideen vermittelt sowie die Möglichkeiten mit Material zu spielen konkret verdeutlicht. Dabei wird auf die Bedeutung der Basale Stimulation nach A. Fröhlich, der Elementarisierung nach N. Heinen eingegangen sowie motivationspsychologische Aspekte berücksichtigt.
Die Referentin bietet beispielsweise Spielideen aus dem Improvisationstheater an und elementarisiert diese mit den Teilnehmer*innen für Schüler*innen mit komplexer Behinderung. Als eine besondere Form der Spielinteraktion stellt die Referentin ihre Erfahrungen als basale Clownin Friedel in einer Nachmittags-AG für Kinder mit komplexer Behinderung vor.
Die Intention des Workshops ist es, die Spielkompetenz der Teilnehmer*innen in Bezug auf diese Zielgruppe zu erweitern.

WS-C

Baskin - ein inklusives Spiel für alle

Referent*innen:
Prof. Dr. Florian Kiuppis (Hamburg)
Professor für Theorien, Konzepte und Methoden der Heilpädagogik im Kontext von Inklusion und Partizipation, Katholische Hochschule Freiburg
Denise Schulz
(München)
Heilerziehungspflegerin, Studentin der Heilpädagogik, Katholische Hochschule Freiburg
Selina Dimmer (München)
Studentin der Heilpädagogik / Inclusive Education B.A., Katholische Hochschule Freiburg

„Baskin“ ist ein Ballspiel, das an Basketball angelehnt ist, dessen Regelwerk aber die Teilnahme von Menschen mit unterschiedlichen Funktionsfähigkeiten bzw. Beeinträchtigungen vorsieht – auch jenen, die z.B. nicht gut laufen, „dribbeln“, Pässe spielen oder werfen können. Entstanden im norditalienischen Cremona, und im Sinne der Leitidee universellen Designs fortwährend in Veränderung begriffen, hat sich die junge inklusive Sportart „Baskin“ bereits in Südeuropa ausgebreitet, z.B. in Mailand, Lyon und Barcelona.
Der Workshop knüpft an Erfahrungen an, die in einem sogenannten Lehrforschungsprojekt mit dem Titel „Inklusion im Sport: Implementierung von ‚Baskin’ in Freiburg“ gemacht wurden. Es handelt sich um eine Initiative (https://www.baskin-freiburg.eu/), die sich seit April 2017 ambitioniert in den Sozialraum orientiert hat und sich die Etablierung von „Baskin“-Teams in Freiburg als Ziel setzte. Das Projekt versteht sich als offenes, transkulturelles Angebot, ausdrücklich ohne vorbestimmte Altersstufen und mit nur individuell selbstbestimmter Leistungsorientierung, an dem Menschen mit Komplexen Behinderungen im Sinne des Mottos “So wie ich bin, mittendrin” dabei sind. Zielvorgabe ist, dass alle Interessent(inn)en an diesem sportpädagogischen Angebot teilhaben können und so ausgelastet sind, wie sie es selbst wollen.

WS-D

Miteinander Spielen - Peer-Beziehungen von Menschen mit Komplexer Behinderung

Referentin:
Angela Simon
Dipl. Päd., Sonderschullehrerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sonderpädagogik der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau

Freunde sind wichtig – diese These würde wohl jeder bejahen. Buber formuliert es drastischer: "Der Mensch wird am Du zum Ich", er braucht ein Gegenüber, um seine Persönlichkeit zu entwickeln.
Studien zeigen, dass sich die Qualität von Peer-Beziehungen aber nicht nur auf das psychische, sondern auch auf das physische Wohlbefinden auswirken und fehlende Peer-Beziehungen mit anderen gesundheitlichen Risikofaktoren gleichzusetzen sind (vgl. Holt-Lunstad Julianne; Smith Timothy B., Layton J. Bradley, 2010).
In der Arbeit mit Menschen mit Komplexer Behinderung beschäftigen wir uns fast ausschließlich mit der Beziehung, Kommunikation und Anregung mit und durch nicht-beeinträchtigte Bezugspersonen.
Über Jahrzehnte ging man davon aus, dass Menschen mit Komplexer Behinderung nicht untereinander agieren (vgl. Ouvry, 1998). Welche Möglichkeiten sich aber doch im gemeinsamen Spiel mit den Peers, den "Gleichgesinnten", den Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen zeigen, werden wir anhand von Videosequenzen betrachten.
Im Anschluss erarbeiten wir Ansätze, wie wir in der täglichen Arbeit dieses gemeinsame Spiel praktisch ermöglichen und unterstützen können.

WS-E

DIY-Spielmaterialien mithilfe des 3D-Drucks herstellen

Referent:
Nils Beinke
Lehrer für Sonderpädagogik der Liboriusschule Paderborn, Makers Help Care, Paderborn

Wie wäre es für einen Menschen mit Komplexen Behinderungen, wenn jeder Aspekt des Spielzeugs individuell anpassbar wäre? Jetzt stellen wir uns auch noch vor, dass die Herstellung nicht anonym in einer Fabrik erfolgt, sondern von lieben Mitmenschen im Hobbykeller übernommen wird. Möglich machen es jetzt digitale Fertigungstechniken - wie der 3D-Drucker - und eine immer positivere Einstellung zum Selbermachen.
3D-Druck klingt immer noch etwas nach Star Trek und Zukunftsmusik. Dabei ist die Technik weder neu, noch von einem anderen Stern. Glücklicherweise kommen immer nutzerfreundlichere und preiswertere Drucker auf dem Markt, die es möglich machen, die Spielzeuge und die Hilfsmittelversorgung von Menschen mit Behinderung ein Stück weit in die eigene Hand zu nehmen.
In dem Workshop erzählt Sonderpädagoge Nils Beinke von "Makers Help Care", inklusiven Projekten und der sozialen Makerszene weltweit. Im praktischen Teil wollen wir schauen, welche Spielzeuge in den freien Bibliotheken im Internet warten und wie sie angepasst werden können. Je nach Zeit und Ideen können Spielmaterialen-Prototypen entstehen.
Gerne kann der eigene Laptop oder das Tablet mitgebracht werden.

Die folgenden Workshops finden ausschließlich in München statt

WS-F

UK - spielend leicht

Referent*innen:
Martina Drexler
ELECOK-Beratung, Stellv. Schulleitung an der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte, München
Markus Zimmermann
Studienrat an Förderschulen, Leitung der ELECOK-Beratungsstelle München und Arbeitskreisleitung ELECOK in Bayern

Die Spielentwicklung ist bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderung häufig aufgrund eingeschränkter Kommunikations- und Bewegungsmöglichkeiten erschwert. Das bedeutet, dass die Spielhandlungen der Kinder, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen von außen ein- bzw. angeleitet werden. Spontanes, aktives Spielen ist oft nicht oder nur stark eingeschränkt möglich. Es stellt sich deshalb die Frage, auf welches Spielangebot Kinder oder junge Erwachsene entsprechend ihrer Lust und Laune zugreifen können? Wie können sie Zeitpunkt und Dauer des Spielens selbst beeinflussen? Und wie kann verhindert werden, dass nur betreuende Personen bestimmen, was, wann, wie und wie lange gespielt wird? Spielzeug muss demnach bestimmte Anforderungen (z. B. Möglichkeit der Steuerung) erfüllen und Interaktions- und Gesellschaftsspiele müssen kreativ aufbereitet oder adaptiert werden, wie die zahlreichen Beispiele in der Broschüre "Unterstützte Kommunikation – spielend leicht" aufzeigen. Das Kind oder der junge Erwachsene braucht oftmals einen "Mittler" zwischen sich, dem Spielzeug und den Mitspielern, also eine Person, die Aktionen und Interaktion ermöglicht und z. B. durch entsprechende Positionierung Körperspannung abbaut und den Aktionsradius des Kindes erweitert. Um eine Auswahl treffen oder ein Spiel kommentieren zu können, benötigt das Kind ein zum Spiel passendes Kommunikationsangebot. Dies können z. B. sprechende Taster oder einfache Sprachgeräte mit mehreren Aussagen, Symbolkarten und -tafeln oder komplexe Sprachcomputer (Talker) sein. Außerdem ermöglichen technische Hilfen, wie z. B. externe Taster, Steuerung mit den Augen oder Spracheingabe, dass der Spieler oder die Spielerin selbständig Aktionen mit einem Spielgerät auslöst.
Als erwünschter Nebeneffekt lässt sich das Modelling beim Spielen aufführen, d.h. die sprechenden Spielpartner nutzen ebenfalls Kommunikationshilfen z.B. zum Kommentieren während des Spielens und dienen somit als Sprach-Modell und regen zum Imitieren an.
Ziel der erstellten Themenbroschüre und unseres Workshops ist es, zu vermitteln, dass Kinder oder junge Erwachsene möglichst frühzeitig und immer wieder von neuem erleben können, dass sie bei entsprechender Vorbereitung eigenständige Handlungskompetenz und Interaktion erreichen können.

WS-G

„Hallo Welt!“ - Interkulturelles Tanzen, Singen, Spielen und Märchen erleben

Referentin:
Rahmana Dziubany
Institut für Tanz, Körpertherapie und Friedensarbeit, Chorin

Lange bevor das Thema Inklusion ins Auge der Öffentlichkeit gerückt ist, hat der Wiener Kinderarzt und Heilpädagoge Dr. Karl König mit seinem sozialen Experiment der weltweiten Camphill Dorfgemeinschaften schon 1939 für Menschen mit Behinderungen einen Lebens- und Arbeitsraum geschaffen, der von hoher personaler Wertschätzung und Respekt voreinander geprägt ist. Das Zusammenleben der „Dörfler“ in Familieneinheiten betont nicht Unterschiede, sondern Vielfalt, Selbstbestimmtheit und freie Entfaltung durch emphatisches, geschwisterliches Zusammenleben.
Diese intensive Erfahrungen am Anfang meines Berufslebens als Hausmutter im Camphill Devon/England und die zeitgleiche Ausbildung in einer interkulturellen Tanzrichtung sind die Haupteinflüsse für mein pädagogisches Wirken und kreatives Schaffen.
Unser Workshop vermittelt Ihnen einen Eindruck aus den praxiserprobten Inhalten, der für die Landesverbände der Lebenshilfe entwickelten „Heilpädagogischen Tanz-, Märchen- und Spielschule“: Kreistänze aus dem angelsächsischen Raum, internationales Repertoire aus den Weltkulturen, Märchen und Mythen der Völker über die Sinne erlebbar gemacht, sowie Einflüsse und Ideen nach Gerda Bächli, Mimi Scheiblauer und Fredrik Vahle.
Das von mir zusammengestellte und weiterentwickelte Repertoire versteht sich als Grundmaterial und lädt die Nutzer*innen ein mit Eigeninitiative und Kreativität  auszuwählen, zu Verändern und den individuellen Gegebenheiten anzupassen. Heilpädagogisches Wirken erfordert meist ein um die Ecke denken - flexibel, wach und zugewandt zu bleiben, unter Berücksichtigung der eigenen Ressourcen.
Lassen Sie uns gemeinsam verschieden sein! Wir alle formen den Kreis gemeinsam!
Bitte beachten Sie dass unser Workshop sich durch ein interaktives Miteinander auszeichnet und das Eigenerleben durch gemeinsames Singen, Tanzen und Spielen im Vordergrund steht.

WS-H

Beziehungserfahrungen unter Kindern mit Komplexer Behinderung

Referent:
Christoph Siegfried
Sozialpädagoge FH, Kursleiter Basale Stimulation® in Pädagogik und Therapie, Heilpädagogische Schule, Basale Förderstufe, Trübbach, Schweiz

Das Leben von Kindern mit komplexer Behinderung besteht häufig aus Kontakten mit erwachsenen Menschen. Sei es beispielsweise in der therapeutischen Förderung, im Pflegealltag, beim Transfer oder Trinken und Essen. Manche scheinen in ihrer Biografie hauptsächlich bezugspersonenabhängige Erfahrungen mit sich und der Welt zu haben, leben in einer von anderen Personen gestalteten Situation. Dabei dürfen im pädagogischen Alltag dieser Kinder eine eigenaktive Partizipation an Bildung, spielähnliche Aktivitäten, Freiräume und Interaktionen mit anderen Kindern nicht vergessen gehen.
Wie aber soll das gehen?
Was benötigen obgenannte Kinder, um unter sich mit ihren Schwierigkeiten die Möglichkeit zu haben, Beziehungen aufzunehmen und Begegnungen zu gestalten?

WS-I

Spielen mit dem Magic Carpet

Referentin:
Sabine Kupke
Dipl. Päd. und Sprecherzieherin (univ.), Fachberaterin für Unterstützte Kommunikation, Gebietsleitung Süd, Rehavista, München

Der „Magic Carpet“ projiziert interaktive Bilder auf den Fußboden. Die Anwender bewegen sich in bzw. auf der Projektionsfläche, um das Bild in Aktion zu versetzen. Die Bildfläche kann mit Händen, Füßen und auch liegend oder im Rollstuhl verändert werden. Das System unterstützt das gemeinsame Spielen von beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten Kindern.
Im Workshop werden verschiedene Spiele des Magic Carpet ausprobiert. Die Teilnehmer „schießen“ einen Fußball zum Tor und legen unter Nebel versteckte Fotos frei. Gemeinsam werden unterschiedliche Einsatzbereiche und Spielmöglichkeiten mit dem Magic Carpet für Menschen mit Komplexer Behinderung diskutiert.
Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie der Magic Carpet in einem Multisensorischen Raum integriert sein kann.
Ein „Multisensory Room“ verbindet die Bereiche Staunen, Bewegen, Lernen und Spaß. In diesem Sinne werden in einem solchen Sinnesraum verschiedene interaktive Elemente angeboten. Die Anwender können hier verschiedene Reize wahrnehmen, selbst aktiv werden und mitspielen.

WS-K

"Die Prinzessin mit dem Laserschwert" - Möglichkeiten schaffen für grenzenloses Spielen im pädagogischen Kontext

Referentinnen:
Eva Moore, Lisa Vogt, Eva Zackl
Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, Wiesbaden

Für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Beeinträchtigungen, von denen manche zudem unterstützt kommunizieren, bestehen im Alltag vielfältige Schwierigkeiten, selbstgesteuert und frei spielen zu können. Sie sind davon abhängig, Spielmöglichkeiten überhaupt angeboten zu bekommen und können sie sich selbst nur eingeschränkt suchen.
Schule hat hier zwangsläufig die Aufgabe, vielfältige und altersgerechte Spielmöglichkeiten zur Auswahl anzubieten und sie entsprechend zu adaptieren, sodass die individuellen Bedürfnisse Berücksichtigung finden.
Dabei gilt es, auch Entscheidungen der Schüler*innen zu akzeptieren und auszuhalten, die aus unterrichtlicher Sicht vielleicht als zweckfrei oder „unpädagogisch“ empfunden werden können.
Wie kann das im Rahmen von Unterricht/ Therapie geleistet werden?
Im Workshop zeigen wir Videobeispiele aus unserem schulischen Alltag, bringen verschiedene Spielideen zum Ausprobieren mit und möchten mit den Teilnehmer*innen in Austausch kommen.

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