Kurzbeschreibung der Workshops

Schmerzen bei Menschen mit Komplexer Behinderung

Köln, 3./4. Dezember 2021

WS-A

Schmerzerfassung durch Schmerzbeobachtungsbögen für ein erfolgreiches Schmerzmanagement in der Behindertenhilfe

Referent:
Florian Nüßlein
Dipl.-Heilpädagoge, MZEB Würzburg

Menschen mit (schwerer) geistiger und mehrfacher Behinderung sind aufgrund verschiedener chronischer Erkrankungen wahrscheinlich in hohem Maße von Schmerzen betroffen. Problematisch ist, dass viele Menschen mit schwerer geistiger Behinderung ihre Schmerzen im Alltag nicht oder nicht verständlich verbalisieren können, sondern diese durch verschiedenste unspezifische Verhaltensweisen mitteilen.
Schmerzfragebögen in Leichter Sprache oder die Kommunikation über Bilder, Symbole oder Gebärden können Menschen mit Behinderungen darin unterstützen ihren Schmerz mitzuteilen. Für Menschen mit Komplexer Behinderung bleibt oft nur die Möglichkeit einer Schmerzfremdbeobachtung. Dazu gibt es speziell für den Personenkreis entwickelte Beobachtungsinstrumente, die Mitarbeitenden eine Hilfe sein können, Schmerzen zuverlässiger festzustellen. Deswegen werden im Workshop mögliche Wege aufgezeigt, durch deren Einsatz ein wirkungsvolles Schmerzassessment in Einrichtungen der Behindertenhilfe etablieren werden kann.

WS-B

Unterstützung bei der Kommunikation von Schmerzen und Beobachtungshilfen

Referentin:
Dr. phil. Helga Schlichting
Förderschullehrerin, Dipl.-Sozialpädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik der Universität Leipzig

Viele Menschen mit Komplexer Behinderung können ihre Schmerzen und andere Unwohlseinszustände nicht oder nicht verständlich verbalisieren, sondern äußern diese durch verschiedenste unspezifische Verhaltensweisen. Oft werden dadurch Schmerzen und damit verbundene Erkrankungen erst sehr spät festgestellt und behandelt, dies zeigen Statistiken deutlich.
Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation über Gegenstände, Bilder und Symbole können Menschen mit Komplexer Behinderung darin unterstützen, ihre Schmerzen mitzuteilen. Weiterhin sollte bekanntes Schmerzverhalten in Dokumentationssystemen und auch in "Ich-Büchern" für alle Mitarbeiter*innen ersichtlich sein. Speziell entwickelte Beobachtungsinstrumente, wie die EDAAP-Skala oder die Chronische Schmerzskala (CPS-NAID) können ebenfalls eine wichtige Hilfe sein und den Blick schärfen, um Schmerzen schneller und zuverlässiger festzustellen.
Im kollegialen Dialog soll im Workshop für mögliche schmerzrelevante Verhaltensweisen sensibilisiert werden. Außerdem werden Möglichkeiten Unterstützter Kommunikation und verschiedene Beobachtungsbögen vorgestellt.

WS-C

Naturheilkundliche Pflegemethoden zur Schmerzlinderung

Referentin:
Stephanie Möllmann
Dipl.-Pflegepädagogin, Fachfrau für Wickelanwendungen, Heilpflanzen- und Aromaexpertin, Kneipp-Gesundheitstrainerin SKA, Naturheilkundliche Pflegepraxis Lavendel & Co., Lünen

Naturheilkundliche Pflegemethoden können unmittelbar Schmerzen lindern, beispielsweise durch die physikalische Wirkung von Kälte auf Schmerzrezeptoren oder durch die Wirkung von Wärme auf eine verspannte Muskulatur. Darüber hinaus lassen sich Begleiterscheinungen des Schmerzes, wie Ängste oder Schlafstörungen, positiv beeinflussen oder Nebenwirkungen einer Schmerzmedikation, wie Übelkeit oder Obstipation, reduzieren. Nicht zuletzt ist eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens Ziel jeder naturheilkundlichen Anwendung, denn jede Anwendung ist immer auch eine Zuwendung!
Da es eine Vielzahl unterschiedlicher naturheilkundlicher Pflegemethoden, beispielsweise verschiedene Wickel und Auflagen, Waschungen und Bäder mit Heilpflanzenaufgüssen oder Einreibungen mit schmerzlindernden Ölen und Ölmischungen gibt, erhalten Sie zu Beginn des Workshops einen Überblick über die unterschiedlichen Möglichkeiten der naturheilkundlichen Pflege. Damit Sie diese auch für einige ausgewählte Schmerzsituation nutzen können, lernen Sie leicht umsetzbare Anwendungen in Theorie und Praxis kennen.

WS-D

"Schmerz lass nach" - was kann die Basale Stimulation beitragen?

Referentinnen:
Doris Talmon
Krankenschwester, Praxisanleiterin Basale Stimulation, Kinaesthetics Trainerin Stufe 3, Weiterbildungszentrum des Westpfalz-Klinikums, Kaiserslautern
Anne Wollenschläger
Physiotherapeutin, Westpfalz-Klinikum, Kusel

Menschen mit Komplexer Behinderung leiden aufgrund ihrer Situation oftmals unter akuten oder chronischen Schmerzen. Das bedeutet für sie nicht selten eine massive Einschränkung der Lebensqualität - die Teilnahme an gewohnten täglichen Aktivitäten kann zunehmend zur Last werden.
Ergänzend zu medizinischen Maßnahmen bietet das Konzept „Basale Stimulation“ Möglichkeiten, z.B. mithilfe von bewegungs- und positionsunterstützenden Angeboten zur Regulation des Muskeltonus  und somit zur Schmerzlinderung beizutragen.
Welchen Einfluss hat Bewegung in Bezug auf Druck-und Spannungsregulierung und somit auf Schmerzempfinden?
Die Vernetzung von pflegerischer, therapeutischer und pädagogischer Arbeit gemeinsam mit den betroffenen Menschen hat hier eine große Bedeutung.
 Im Workshop erfahren Teilnehmer*innen die Wirksamkeit angepasster Mobilisation der Bewegungsebenen im Körper.
Gemeinsam werden außerdem gezielt Positionsunterstützungen im Hinblick auf Bequemlichkeit, Wohlbefinden  und Entspannung erarbeitet.

WS-E

Probleme der Umsetzung der medikamentösen Schmerztherapie bei Menschen mit Komplexer Behinderung

Referentinnen:
Anna-Mia Klüpfel
Gesundheits- und Krankenpflegerin, B.A. Pflege, Pflegeberaterin, Leben mit Behinderung Hamburg
Dr. Eva Ledig
Internistin, Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf, Hamburg

Menschen mit komplexen Behinderungen sind häufig von Schmerzen betroffen. Diese können aufgrund der Behinderung oder durch Begleiterkrankungen auftreten. Auch können hiervon unabhängige Erkrankungen und dazugehörige Schmerzen, wie z.B. Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen, auftreten. Im Alter kommen zu diesen noch degenerative Erkrankungen, wie z.B. Arthrose, was zu vermehrten Schmerzen führen kann. Umso wichtiger ist ein adäquates Schmerzmanagement inklusive einer vorab gezielten Schmerzerfassung und Diagnostik.
Dies wird besonders schwierig, wenn die Patient*innen nicht verbal oder nonverbal kommunizieren können und dadurch selbst keine Auskunft über ihren Schmerz und die Therapie geben können. Umso wichtiger ist hier die Einschätzung des Bezugssystems.
Wenn eine passende Schmerzmedikation für den Moment gefunden wurde, ist eine engmaschige Begleitung und Beobachtung sehr wichtig.
Probleme ergeben sich durch die verschiedensten Punkte, nicht zuletzt weil Menschen mit Behinderung oftmals auch gar keinen Schmerz empfinden oder äußern, obwohl z.B. Knochenbrüche gefunden werden.
In dem oben betitelten Workshop werden wir gemeinsam mit Ihnen Hindernisse und Schwierigkeiten in der Umsetzung einer adäquaten, medikamentösen Schmerztherapie herausarbeiten und Lösungsansätze für alle Abschnitte der Diagnostik und Therapie aufzeigen.

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