Kurzbeschreibung der Workshops

Pflege und Palliative Care interdisziplinär

ONLINE-Tagung, 24.-31. März 2022

WS-A

Entwicklungsfreundliche Beziehung in der Pflege.
Wie kann Pflege zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen?

Referent:
Heinz Urbat
Dipl.-Psychologe, Multiplikator der Entwicklungsfreundlichen Beziehung (EfB)
Gifhorn

Ein bedeutender Teil der Lebenszeit von Menschen mit Komplexer Behinderung besteht aus Pflege- und Versorgungssituationen. Nahrungsaufnahme, Körperpflege, medizinisch notwendige Verrichtungen sind häufig bestimmende Elemente ihres Tagesablaufs, und zugleich mit großer, teils intimer Nähe zu den sie betreuenden Bezugspersonen verbunden. Aus der Sicht der Betreuenden sind diese Situationen unter ihren vielfältigen Aufgaben oft diejenigen, in denen sie sich am intensivsten ausschließlich diesem einen betreuten Menschen zuwenden können. Es liegt auf der Hand, dass dadurch die Qualität der Beziehung zwischen Betreuenden und Betreuten entscheidend geprägt wird. Darüber hinaus hat die Pflegebeziehung aber auch eine große Bedeutung für die persönliche Entwicklung der Betreuten. Wertschätzung und Empathie der pflegenden Bezugsperson stärken Urvertrauen und Bindungssicherheit, Mitbestimmung und Mitwirkung bei der Gestaltung der Pflege unterstützen das Selbstwertgefühl. In dem Workshop sollen Positivbeispiele für die Gestaltung einer entwicklungsfreundlichen Pflegebeziehung gesammelt werden. Weiterhin soll der Umgang mit Hindernissen, die sich in der Praxis auftun können, besprochen werden.

WS-B

Palliativversorgung: Was müssen wir tun - was lassen?

Referentin:
Barbara Hartmann
M.Sc. in Palliative Care,
Kursleitung und Dozentin für Palliativversorgung, speziell in Wohnformen der Eingliederungshilfe
Sprecherin der AG "Menschen mit intellektueller und komplexer Beeinträchtigung" der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
Berglern

Eine Begleitung am Lebensende führt häufig zu Diskussionen im begleitenden Team: Soll die Person weiterhin zum Essen und Trinken angehalten werden? Was machen wir, wenn jemand nicht mehr schluckt? Wie viel Schmerzmittel sind sinnvoll? Was, wenn jemand schlecht Luft bekommt oder unruhig wird? Wie gehen wir mit der Wahrheit um? In dieser Stunde nehmen wir verschiedene Situationen am Lebensende in den Blick, fragen uns jeweils: Was sollen wir tun? Was sollen wir lassen? Wie können wir unser Tun oder Lassen begründen bzw. gegenüber Angehörigen, rechtlichen Betreuern und Kontrollbehörden begründen? Wo sind unsere Grenzen und wen können wir wann zu Hilfe holen? Gestorben wurde schon immer – wir, als Begleitende, müssen nur mal wieder hinsehen, um zu wissen, was auf uns zukommen wird. Das Sterben ist zwar individuell und gleichzeitig wieder so typisch. Mit diesem Wissen können wir vorausschauend planen und ein Gefühl der Sicherheit bis zuletzt ermöglichen – beim Kunden, aber auch im Team.

WS-C

Kinaesthetics in Pflegesituationen bei Menschen mit Komplexer Behinderung.
Kinaesthetics in Palliative Care - als Werkzeug für mehr Lebensqualität und Autonomie

Referentin:
Heidi Lang
Krankenschwester, Pflegepädagogin, Kursleiterin für Palliative Care, Kinaesthetics-Trainerin Stufe 3
Heilbronn

Das zentrale Thema von Kinaesthetics ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Bewegung in alltäglichen Aktivitäten. Diese führen wir normalerweise in individuell erlernten und meist unbewussten Bewegungsmustern durch. Der Begriff Kinaesthetics kann mit „Kunst/Wissenschaft/Lehre der Bewegungswahrnehmung“ übersetzt werden. Menschen mit Komplexer Behinderung benötigen bei vielen Alltagsaktivitäten Unterstützung, die oft mit großen Belastungen der Helfenden verbunden sind. Kinaesthetics bietet uns Werkzeuge, die die Bewegungswahrnehmung und die Entwicklung der Bewegungskompetenz eines jeden Menschen unterstützen und leisten dadurch einen Beitrag zur Gesundheitsentwicklung und Lernförderung für die Betroffenen und Helfenden. Es können neue Bewegungsmöglichkeiten entdeckt werden, arbeitsbedingte Rückenschmerzen sowie Verspannungen oder andere körperliche Beschwerden vermindert und beeinflusst werden.
Wahrnehmung, Berührung und Bewegung haben in der Palliativen Pflege eine zentrale Bedeutung. Sie können den kranken Menschen beruhigen, Sicherheit geben und somit seine Angst reduzieren, wenn die Bewegungsangebote wertschätzend und fördernd gestaltet werden. Bei zunehmender Schwäche sind noch kleine Bewegungen möglich, verbleibende Fähigkeiten werden bewusst wahrgenommen und achtsam unterstützt. Dadurch können Schmerzen gelindert und die Lebensqualität verbessert werden.
In diesem Workshop wird das Konzept vorgestellt und ein Einblick in Anwendungsmöglichkeiten in der Palliativen Pflege gegeben.

WS-D

Basale Stimulation in der Palliativen Pflege

Referentin:
Martina Götschel
Staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin, Fachfrau Basale Stimulation, Fachkraft für Palliativpflege
Berlin

Das Konzept der "Basalen Stimulation in der Pflege®" muss der Zielgruppe der professionell Pflegenden von komplex beeinträchtigten Menschen nicht mehr vorgestellt werden. Längst gehört es selbstverständlich in den pflegerischen und pädagogischen Alltag. Insbesondere in der palliativen Versorgung sorgt situationsangepasste Kommunikation über gezielte Berührungen für eine höhere Lebensqualität.
Doch schon kleine Krisen wie ein Personalengpass – und erst recht eine Pandemie – können hier einiges durcheinanderwirbeln.
In diesem praxisnahen interaktiven Workshop erörtern wir:

  • Was macht Pflege aus der Perspektive der Basalen Stimulation aus?
  • Warum ist eine gute Berührungsqualität besonders für palliativ erkrankte, komplex beeinträchtigte Menschen so elementar?
  • Wie kann man dieser Zielgruppe mehr Lebensqualität bis zum Lebensende ermöglichen?
  • Wie kann man dies ohne zusätzlichen Aufwand umsetzen, auch in Zeiten von Abstand, Masken und Handschuhen?

Durch basale Pflege können wir mehr vermitteln, mehr weitergeben und mehr bewirken als bei den meisten anderen Alltagshandlungen, und zwar ohne mehr Zeit, Material oder Kraft zu benötigen.

WS-E

Body map : une cartographie corpo-sensorielle à l’écoute du corps
Body Map: eine sensorische Körper-Kartografie, individuell angepasst

Referentin:
Laetitia Hanser
Sozialpädagogin, Erwachsenenkursleiterin und Kursleiterin für Basale Stimulation®
Mézières, franz. Schweiz

Les personnes très dépendantes sont touchées par une multitude d’intervenant(e)s offrant une belle diversité d’approche et engendrant également des stimuli variés et variables. Partant de l’hypothèse qu’autant de types de toucher pouvaient, même de manière infime, alimenter des difficultés sur le vécu et l’image corporelle, est-ce qu’une cartographie corpo-sensorielle permettrait de soutenir la personne dans sa réalité perceptive et améliorerait l’accompagnement interdisciplinaire ?

Menschen mit Behinderung oder in der Pflege werden von einer Vielzahl von Betreuer:innen berührt. Dadurch entsteht eine große Vielfalt an Ansätzen, es werden aber auch unterschiedliche und variierende Reize erzeugt. Ausgehend von der Hypothese, dass so viele verschiedene Arten von Berührungen, wenn auch nur in geringem Maße, zu Schwierigkeiten im Hinblick auf das Erleben und das Körperbild führen können, würde ein sensorisches Body Mapping es ermöglichen, den Menschen in seiner Wahrnehmungsrealität zu unterstützen und die interdisziplinäre Begleitung zu verbessern?

WS-F

Konzepte der (Heil-)Pädagogik in der (Palliativen) Pflege

Referentin:
Dr. phil. Helga Schlichting
Förderschullehrerin, Dipl. Sozialpädagogin (FH)
Leipzig

Basale Angebote an Bildung sind möglich, solange ein Mensch lebt und können unabhängig von der Schwere einer Behinderung oder einer Erkrankung genutzt werden. Der Körper mit seinen Sinnen bietet vielfältige Möglichkeiten zur Wahrnehmungsförderung. Kommunikation kann über basale Kanäle erfolgen und Selbstbestimmung erhalten. Kleinste Möglichkeiten von Selbsttätigkeit können unterstützt werden. Dazu geben (heil-)pädagogische Konzepte Auskunft. Der Workshop möchte einige heilpädagogische Konzepte vorstellen und deren Relevanz für die alltägliche Pflege und die Pflege bei Krankheit sowie in der letzten Lebensphase geben.
Das Konzept der Basalen Stimulation gibt vielfältige Anregungen zur Erhaltung und Förderung der Körperwahrnehmung, beispielsweise durch verschiedene Lagerungen, Ausstreichungen und Waschungen. Die Atemsituation kann durch die Kontaktatmung und die atemstimulierende Einreibung verbessert werden.  
Die Basale Kommunikation und die Musikbasierte Kommunikation geben Antworten darauf, wie eine Kommunikation ohne Worte über Basale Kanäle bis zuletzt aufrechterhalten werden kann.
Das Affolter-Konzept zeigt Möglichkeiten auf, wie Menschen auch bei schwerer Beeinträchtigung und Krankheit in ihrer Selbsttätigkeit unterstützt werden können und damit in die Lage versetzt werden, mehr Einfluss auf Pflegesituationen zu nehmen.

WS-G

Körperscham und Ekel
Grenzsituationen in der Pflege von Menschen mit Komplexer Behinderung

Referentin:
Hiltrud Krey
Krankenschwester, Studienrätin, Diplom in Berufspädagogik, Pflegewissenschaft, Master im Schulmanagement
Bremen

  • Grenzsituationen
  • Affekte Scham und Ekel
  • "Tabu"
  • Pflegeempfänger und Pflegeperson
  • Salutogenese

Auch wenn die Grenzen des Anstands, des Taktgefühls wie auch der körperlichen Integrität während der Pflegearbeit empfindlich überschritten werden können, sollte dies kein Grund sein, vor Scham "in der Erde versinken" zu wollen oder sich (unbewusst?) so zu ekeln, bis "die Lippe blüht".
Jeder von uns kann sich an bestimmte "Alltagsgerüche" gewöhnen und so wird der "Riechsinn" frei für andere, besondere Gerüche, die plötzlich auftreten oder ungewöhnlich sind. Dies dient ganz konkret der "Gefahrenabwehr".
Durch eine bewusste und differenzierte Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen können auch die Affekte moduliert werden. Scham und Ekel dürfen als Schutzmechanismen weiterhin gelten und sind damit… OKAY!

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