Kurzbeschreibung der Workshops

Digitalisierung und Menschen mit Komplexer Behinderung

Köln, 21./22. Oktober 2022

WS-A

Digitalisierung bei Leben mit Behinderung Hamburg. Perspektiven auf ein digitaleres und technischeres Leben - für alle

Referentin:
Maike Staniek
Techniklabor des Elternvereins Leben mit Behinderung Hamburg, Hamburg

2015 wurde das TECHNIKLABOR von Leben mit Behinderung Hamburg als ein offenes Treffen von und für Technikinteressierte gestartet. Es war von Anfang an das Ansinnen, unserem Klientel mehr Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung zu bieten – mit oder durch technische Hilfen und IT-Lösungen und zwar fernab der "Kauflösungen" und auch digital. Nach sechs Jahren können wir von einigen Erfolgsgeschichten, die sich zum Teil vom TECHNIKLABOR abgelöst und verselbstständigt haben und zum Teil auch der Corona-Krise zu "verdanken" sind, berichten. Wer schreibt Erfolgsgeschichten? Einfache Hard- und Software-Lösungen, die von motivierten Fachkolleg:innen in die Einrichtungen gebracht und den Klient:innen zur Verfügung gestellt werden. Es entstehen neue Gefühlswelten auf beiden Seiten: Selbstwirksamkeit beim Menschen mit Behinderung und Vertrauen bei der Fachkraft in die Nutzung seiner oder ihrer Fähigkeiten – trotz innerer Widerstände.
Neue Räume bedeuten auch neue Risiken. Doch davor zurückschrecken ist keine Option! Die Corona-Krise hat viele unserer Klient:innen in eine noch stärkere Isolation geführt, doch digitale Angebote eröffneten nicht nur ein neues Lernfeld für uns alle, sondern ebenfalls Raum für neue Möglichkeiten, die eine Ahnung entstehen lassen, was noch alles möglich sein kann und wo wir uns über Risiken bewusst werden und an denen wir alle lernen müssen.

WS-B

Digitalisierung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe - Einsatz digitaler Technologien im Alltag

Referent:innen:
Verena Wahl M.A.
Christian Menschik M.A.
Hochschule Furtwangen am Institut Mensch, Technik und Teilhabe

Personen mit komplexer Behinderung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe sind besonders von der digitalen Spaltung betroffen und haben selten Zugänge zu digitalen Technologien. Dabei könnten gerade diese Personen besonders von den Vorteilen neuer Technologien profitieren. Der Workshop nimmt Bezug auf das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt „Teilhabe Digital“, das sich mit dem Einsatz digitaler Technologien in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe beschäftigt. Im Workshop werden günstige, individuelle Lösungen im Bereich der Consumertechnik für Personen mit komplexer Behinderung aus dem Projekt vorgestellt. Weiter werden die Rahmenbedingungen des Einsatzes in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe diskutiert und auch die Rolle der Fachkräfte beleuchtet. Wir bringen Technik zum Anschauen, Anfassen und selbst Ausprobieren mit und diskutieren Vor- und Nachteile des Technikeinsatzes.

 

WS-C

Anwendung digitaler Technologien in der schulischen und außerschulischen Praxis

Referent:
Igor Krstoski
Sonderschullehrer an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Abteilung Pädagogik/Didaktik im Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung

Von Thomas Knaus (2013) stammt folgendes Zitat: "Bereits an anderen entscheidenden Stationen der Technikgeschichte zeigte sich, dass erstens Vereinfachungen beziehungsweise Verbesserungen der Usability stets zu breiterer Nutzung und zweitens der komfortablere Zugang zu einer intensiveren Nutzung führten." (S. 33) Dank des universellen Designs sowie Neu- und Weiterentwicklungen verfügen Tablets über sämtliche Benutzerschnittstellen von speziellen Hilfsmitteln der Unterstützten Kommunikation (vgl. Krstoski 2019). Dadurch ergeben sich teilweise völlig neuartige Aktivitäts- und Partizipationsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Im Workshop werden für die verschiedenen Benutzerschnittstellen von Tablets diverse Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt. Hierbei liegt der Fokus auf dem iPad von der Firma Apple.

Knaus, T. (2013). Technik stört! Lernen mit digitalen Medien in interaktionistisch-konstruktivistischer Perspektive. In T. Knaus & O. Engel (Hrsg.), fraMediale - digitale Medien in Bildungseinrichtungen (S. 21-60). München: kopaed.
Krstoski, I. (2019). Assitierende, Assistive und Unterstützende Technologien - Trends, Neu- und Weiterentwicklungen im Fokus. Unterstützte Kommunikation (3), S. 6—15.

WS-D

Digitale Bildung für Schüler:innen mit geistiger und Komplexer Behinderung – Empirische Erkenntnisse und didaktische Überlegungen

Referentinnen:
Dr. Caren Keeley
Akademische Rätin am Lehrestuhl für Pädagogik und Rehabilitation bei Menschen mit geistiger und komplexer Behinderung, Universität zu Köln

SoPäd. Annika Kuhlmann
Sonderpädagogin im Hochschuldienst, Universität zu Köln

Die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft führt zu der Verlagerung einer Vielzahl von Prozessen in die digitale Welt. Der Umgang mit digitalen Medien stellt somit eine wichtige Ziel- und Handlungsperspektiven für die Teilhabe an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen dar. Medien eröffnen Menschen mit Komplexer Behinderung hierbei die Möglichkeit, Selbstausdruck, Kontaktaufnahme und Interaktionsmöglichkeiten zu erweitern und hierauf aufbauend sich selbst und die eigenen Interessen weiterzuentwickeln (Zorn 2021). Digitale Bildung kann in diesen Prozessen als Voraussetzung für die Ermöglichung von digitaler Teilhabe sowie den Erwerb digitalisierungsbezogener Kompetenzen auf den verschiedenen Aneignungsebenen verstanden werden. Zentrale Ansprüche der digitalen Teilhabe sind hierbei die Barrierefreiheit in der Nutzung von Geräten und Anwendungen, die Förderung einer inklusiven Medienbildung sowie die Eröffnung zu Zugangsmöglichkeiten zum Internet (Mayerle 2015).
Für die Gestaltung digitaler Bildungsprozesse sind geeignete didaktische Konzepte und Grundlagen notwendig, um pädagogische Fachkräfte dazu zu befähigen, der digitalen Spaltung entgegenzuwirken und digitale Teilhabe zu fördern (Pelka 2020).
Das Forschungsprojekt DiGGi_Koeln hat sich mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung auf schulischer Ebene auseinandergesetzt. Zielrichtung hierbei stellte die Erweiterung digitaler Kompetenzen von Schüler:innen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung dar und die Konzeptionierung von Handlungsempfehlungen und die Entwicklung von Anknüpfungspunkten für die Gestaltung von Bildungsangeboten im Sinne der Digitalisierung.
Im Workshop werden zunächst diese Ergebnisse sowie der partizipativ erfolgte Forschungsprozess vorgestellt. Im gemeinsamen Diskurs wird dann an der Erweiterung von Zugangsmöglichkeiten für Schüler:innen mit Komplexer Behinderung gearbeitet.

WS-E

Mach was draus! – Vom Bedürfnis zum Prototypen am Beispiel von Hilfsmitteln

Referent:innen:
Adriani Botez und Isabelle Dechamps
be able e.V., Berlin

Der Workshop richtet sich an Fachkräfte, Angehörige, Sonderpädagog:innen, Psycholog:innen
etc., die zusammen mit Menschen mit Behinderung einen partizipativen Prozess im Alltag
integrieren möchten. Zu Beginn gibt es Input zur Hackademy u.a. am Beispiel einer
Herausforderung und eine Live-Vorstellung unserer digitalen Plattform. Anschließend ergründen
die Teilnehmer:innen die Bedürfnisse der Menschen mit komplexen Behinderungen und
erarbeiten mögliche Herausforderungen mit Hilfe von Design Thinking Methoden.
Hierbei wird auch thematisiert, dass die Einbindung der betroffenen Menschen enorm wichtig ist,
um ihre Herausforderungen zu verstehen. Den Teilnehmer:innen wird gezeigt, dass ein kreativer
Prozess im Alltag zu besseren individuellen Lösungsansätzen führen kann. Das Ziel des Workshops ist die Vermittlung von konkreten Denkanstößen für partizipative kreative Prozesse und wie dabei die Digitalisierung hilfreich sein kann.

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