Kurzbeschreibung der Workshops

Tagung Pädagogik bei schwerster Behinderung

 

Landstuhl 06.11.2026

Workshop A

Kulturelle Teilhabe 
Prof. Dr. Teresa Sansour, Oldenburg

Obwohl die Bundesrepublik Deutschland mittlerweile über ein ausgebautes, differenziertes und abgesichertes Netz an Hilfen für Menschen mit Behinderungen verfügt, stehen Menschen mit komplexer Behinderung in zentralen gesellschaftlichen, insbesondere auch kulturellen Bereichen nach wie vor oft am Rande der Gesellschaft. Subjektiv sinnstiftende kulturelle Angebote für den Personenkreis sind rar – doch es gibt sie. Der Workshop möchte Impulse liefern, wie Räume für mehr Kulturelle Teilhabe geschaffen werden können. Der Workshop gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil werden anhand des Projekts „Virtuelles Kulturhaus“ verschiedene kulturelle Bereiche (Musik, Theater, Literatur, Kunst…) thematisiert.  Dabei wird Einblick in Projekte gegeben, die explizit Menschen mit komplexer Behinderung berücksichtigen. Im zweiten Teil erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, selbst künstlerisch tätig zu werden, indem künstlerische Strategien, die auch für Menschen mit komplexer Behinderung zugänglich sind, erprobt werden können.

Workshop B      

Visuelle Wahrnehmung 
Prof. Dr. Fabian Winter, Zürich

Sehprobleme bleiben bei Menschen mit schwerster Behinderung oft unerkannt oder werden fehlgedeutet - besonders, wenn sie zerebral bedingt sind. Dabei spielt die visuelle Wahrnehmung eine zentrale Rolle in der Entwicklung und beim Lernen. 
Der Workshop vermittelt ein grundlegendes Verständnis dafür, wie sich Sehprobleme bei Menschen mit schwerster Behinderung äußern und erkannt werden können. Dabei werden praxisnahe Förderansätze vorgestellt, wie visuelle Basisfunktionen gezielt gefördert werden können, z.B. mit Hilfsmitteln wie der Lightbox oder dem iPad. Der Workshop bietet Raum für Austausch und die Entwicklung praxisnaher Ideen für eine gezielte visuelle Wahrnehmungsförderung.

Workshop C       

Die Perspektive der Eltern 
Prof. Christina Koch, Zürich

In der interdisziplinären Frühförderung stellt die familienorientierte Arbeitsweise ein zentrales Handlungskonzept dar. Sie betont die Bedeutung der Eltern und Geschwister als zentrale Bezugspersonen und wesentliche Akteure heilpädagogischer Interventionen. Das Zusammenleben mit einem Kind mit schwerster Behinderung ist mit spezifischen Herausforderungen verbunden, deren Bewältigung stark von den individuellen Ressourcen und Strategien der jeweiligen Familie abhängt. Eine nachhaltig wirksame Unterstützung erfordert daher den konsequenten Einbezug der gesamten Familie sowie eine Orientierung an ihren konkreten Bedürfnissen und Möglichkeiten.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Eltern in ihrer Rolle als pflegende und fördernde Bezugspersonen gezielt gestärkt und begleitet werden können. Welche professionellen Haltungen, strukturellen Bedingungen und methodischen Zugänge fördern ihre Selbstwirksamkeit und unterstützen sie in ihrem individuellen Bewältigungsprozess? 
Der Workshop vermittelt theoretische Grundlagen und praxisbezogene Erfahrungen zur familienorientierten Arbeit. Ziel ist es, Fachkräfte für die Perspektive von Eltern zu sensibilisieren und Impulse für eine partizipative, ressourcenorientierte Zusammenarbeit in der Praxis zu vertiefen.

Workshop D        

Die Förderung intentionaler Kommunikation 
Ulrike Reisenberger, Wien 

In der Interaktion mit Menschen mit schweren Behinderungen begegnen uns Personen, die in ihrer kommunikativen Entwicklung auf einem sehr frühen, prä-intentionalen Niveau agieren und noch keine gezielte inhaltliche Kommunikation zeigen. Angebote aus dem Konzept der Basalen Stimulation tragen zum Erreichen des Meilensteins der Triangulierung bei, einer Grundlage für absichtsvolles Kommunizieren. Über systematisch angebotene, konkrete Erfahrungen werden frühe kommunikative Funktionen ermöglicht, indem Abstimmung aufeinander, wechselseitige Einflussnahme und Selbstwirksamkeit erlebt werden können. Inhalte dieser Begegnungen sind lustvolle, körpernahe Aktivitäten. Sie bilden die Grundlage für den Dialog und gemeinsames Handeln und werden so zum Thema erster intentionaler Kommunikation. Der Workshop behandelt diese Themenaspekte anhand verschiedener Praxisbeispiele.

Workshop E        

Pädagogik und Pflege im Kinder- und Jugendhospiz  
Prof. Dr. Sven Jennessen, Berlin

Kinder- und Jugendhospize sind bedeutsame Orte im Leben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzender Erkrankung und hohem Unterstützungsbedarf - und im Leben ihrer Familien. Oft sind sie Lebensbegleiter in einem Prozess, bei dem sich die gesundheitliche Situation der Kinder über Jahre verschlechtert und zugleich die körperliche, emotionale und psychosoziale Belastung der pflegenden und betreuenden Eltern steigt. Die Ergebnisse der Studie FamPalliNeeds, die an der Humboldt-Universität Berlin von 2020 bis 2023 in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhospizverein e.V. die Erfahrungen, Bedarfe und Bedürfnisse von Familien mit lebensbedrohlich und lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen erhob, zeichnen die hohe Bedeutung von Kinder- und Jugendhospizen für die Lebensqualität der unterschiedlichen Familienmitglieder nach. Hierbei kann der Begleitprozess ab dem Zeitpunkt der Diagnose, über Jahrzehnte der regelmäßigen Entlastungsaufenthalte bis zum Tod und einer Jahre dauernden Inanspruchnahme von Trauerangeboten reichen. Zentrale Erkenntnisse der Studie werden im Workshop präsentiert und mit den Teilnehmenden diskutiert. Hierbei soll Raum für eigene Erfahrungen und gemeinsame, kreative Ideen der Weiterentwicklung des Feldes gegeben 

Workshop F                    

Spiel und spielen
Dr. Karoline Klamp-Gretschel, Koblenz

Spielen ist ein sich über die Lebensspanne erstreckender Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe. Es lassen sich verschiedene Sinneswahrnehmungen erfahren, Sprache und Sprachverständnis fördern, soziale Kontakte initiieren und pflegen, ein Ausgleich zum Alltag entdecken, Umgang mit dem Verlieren und Gewinnen eines Spiels finden, aber auch die Fantasie fördern. 
Viele Menschen mit schwerster Behinderung erleben vielfältige Barrieren, dazu kann auch ein Ausschluss aus Spielsituationen in Kindheit, Jugend- oder Erwachsenenalter gehören – oftmals verbunden mit der Aussage, dass das Spielen mit schwerster Behinderung nicht möglich sei. 
In diesem Workshop soll es um Möglichkeiten zur Gestaltung von Spielsituationen für Menschen mit schwerster Behinderung gehen. Wir wollen Ideen sammeln für das Spielen über die Lebensspanne und sie – nach Möglichkeit – gemeinsam ausprobieren. Dazu sind Sie herzlich eingeladen Erfahrungsberichte, Spielideen und ggf. sogar geeignete Spielmaterialien mitzubringen.

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