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Inhalt

Tagung Leben pur 2017


Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Komplexer Behinderung

20. + 21. Oktober 2017 in Berlin

Kurzbeschreibung der Workshops

Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, finden Sie hier Kurzbeschreibungen der einzelnen Workshops zur Tagung 2017.

zum Workshop: A   B   C   D   E   F

A. Rechtliche Grundlagen bei herausforderndem Verhalten

Dr. Sebastian Kirsch, Richter am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen (Betreuungs- und Familienrichter)

Herausforderndes Verhalten ist häufig Anlass für Interventionen, die von kleinen Verhaltensänderungen der betreuenden Personen bis hin zu massiven grundrechtsrelevanten Eingriffen in die Freiheit oder körperliche Integrität eines Betroffenen reichen können.

So sehr der Begriff des herausfordernden Verhaltens in aller Munde in der Pflege ist, findet er sich doch nirgends in den Rechtsnormen, die Eingriffe in die Rechte des Betroffenen gestatten.
Es gibt keinen einzigen Paragraphen, der für die Begründung einer belastenden Maßnahme ausdrücklich die Voraussetzung „bei herausforderndem Verhalten“ nennt.

Im Workshop wird versucht, die rechtlichen Aspekte dazu herauszuarbeiten, wobei Maßnahmen mit Eingriffscharakter im Mittelpunkt stehen werden. Es wird im Workshop darum gehen, typische Herausforderungen, mit denen Angehörige und Pflegende aufgrund eines herausfordernden Verhaltens konfrontiert sind, zu besprechen und von juristischer Seite zu beleuchten, welche Handlungsoptionen überhaupt diskutiert werden können, gerade dann, wenn die Maßnahme mit erheblichen Eingriffen in die Rechte des Betroffenen verbunden wäre.

Darf man in einer Behinderteneinrichtung einen Bewohner regelmäßig für eine Stunde in einen Time-out-Raum sperren, wenn man erste Anzeichen einer möglichen, wiederholt auftretenden Fremdaggression wahrnimmt?

Darf man einen agitierten Wanderer mit Medikamenten so einstellen, dass er seinen Drang zum Herumwandern verliert?

Darf man einen autoaggressiven Bewohner einer Einrichtung durch Gurtfixierungen daran hindern, sich selbst zu ritzen? Und wer entscheidet das? Und wie stellt sich das rechtlich dar, wenn der autoaggressive Selbstverletzer noch in seiner Familie lebt?

Darf ein Mensch mit geistiger Behinderung, der die Arbeitsabläufe in einer Behindertenwerkstätte durch beständiges rufen, wie viel Uhr es ist, massiv stört, durch die Verabreichung eines Beruhigungsmittels in seiner Handlungsweise gedämpft werden?

Wann darf oder muss ein Betreuer mit einem Heimwechsel in eine derartige Situation eingreifen?

Der Workshop wird sich an derartigen Fallgestaltungen orientieren und Beispiele auch aus den Reihen der Teilnehmer aufgreifen und in rechtlicher Hinsicht diskutieren.

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B. Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Komplexer Behinderung

Prof. Dr. Georg Theunissen, Lehrstuhl für Geistigbehindertenpädagogik und Pädagogik bei Autismus, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Im Workshop werden auf der Grundlage meines Vortrags über „herausforderndes Verhalten bei Menschen mit komplexer Behinderung“ Grundzüge der Positiven Verhaltensunterstützung herausgestellt und vertieft.

Der Ansatz wird durch Beispiele aus der Praxis erläutert und konkret vor Augen geführt.

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C. Herausforderndes Verhalten bei schwerer geistiger Behinderung - ein Ruf nach Beziehung

Portrait von Frau Götz de Jong

Gabriele Götz de Jong, Heilpädagogin, Multiplikatorin Konzept „efB®“, Fachberaterin Psychotraumatologie, systemische Beratung, Wetter

Herausfordernde Verhaltensweisen bei Menschen mit schwerster und schwerer geistiger Behinderung lassen sich sinnvollerweise als Ruf nach Beziehung verstehen.

Diese These, die auch schon für das Referat leitend war, gilt sowohl für die Herausforderung durch fremd- und autoaggressives Verhalten als auch für diejenige durch den Rückzug in eine schwer zu durchdringende Eigenwelt. Die Übersetzung der herausfordernden Symptome in Beziehungswünsche und die Darstellung sinnvoller, dem Entwicklungsniveau Rechnung tragender Möglichkeiten diese zu befriedigen, ist Inhalt dieses Workshops.

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D. Wie kann ich dir begegnen?

Portrait von Frau Büker

Ursula Büker, Dipl.-Psychologin, Psychotherapeutin, Multiplikatorin für Basale Stimulation®, Lübeck

In dem Workshop sollen die Inhalte des Vortrags vertieft werden. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass auf dem Hintergrund der sehr eingeschränkten Möglichkeiten von schwer behinderten Menschen herausfordernde Verhaltensweisen als eine Form der Kontaktaufnahme und Kommunikation betrachtet werden können.

Dies geschieht immer auch mit und durch den Körper, wir erleben es oft als Angriffe in Form von Kratzen, Beißen oder Haare ziehen. Dabei ist die Wahl der herausfordernden Verhaltensweisen durchaus von Bedeutung, sie gibt uns klare Hinweise auf die Wahrnehmungsbereiche, in denen wir  diesen Menschen besonders gut begegnen können.

Anhand von Fallbeispielen soll diese Sichtweise erläutert und das Verständnis für diese Zusammenhänge vertieft werden. Mit Videoaufnahmen aus der Praxis werden Möglichkeiten dargestellt,  auf welche Weise mit körpernahen Angeboten nach dem Konzept der Basalen Stimulation auf diese besonderen Verhaltensweisen reagiert werden kann. Bei Bedarf können Fallbeispiele aus der eigenen Arbeit besprochen werden.

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E. Deeskalation und Krisenmanagement bei Menschen mit Intelligenzminderung - Herausforderungen im pädagogischen Alltag

Portrait von Herrn Dr. Schanze

Dr. med. Christian Schanze, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Pädagoge, DEKIM-Deeskalationstrainer, Buchautor, Landsberg/Lech

Psychosoziale Belastungssituationen, Stress und Kommunikationsprobleme führen bei Menschen mit schwerer geistiger oder mehrfacher Behinderung häufig zu intensiven Verunsicherungen und eventuell auch zu schweren Krisen. In deren Rahmen kann es zu verschiedenen Formen von aggressivem Verhalten kommen.    

Für Eltern, Angehörige und Mitarbeiter der Behindertenhilfe stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Wie soll man sich in einer Krisensituation verhalten? Was trägt zur Entspannung der Situation bei und was führt eher zu einer Eskalation? Welcher Umgang ist in solchen Fällen pädagogisch sinnvoll? Wie kann ich der Entstehung von Krisen präventiv entgegenwirken?

Neben der Diskussion dieser Fragen soll im Workshop gemeinsam erarbeitet werden, welches besondere Anforderungsprofil Menschen mit schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung in Krisensituationen haben und wie wir in deren Begleitung diese Bedürfnisse berücksichtigen können. Hierbei geht es vor allem um die Entwicklung einer deeskalierenden innere Haltung, die man auf der gemeinsamen Suche nach dem „richtigen Weg“ in die Krisensituation mit einbringen sollte. Denn: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!

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F. Möglichkeiten und Grenzen in der Psychotherapie bei Menschen mit Komplexer Behinderung

Portrait von Herrn Prof. Wüllenweber

Thomas Sager, Dipl.-Psychologe, München

Der Workshop orientiert sich inhaltlich an dem Vortrag zu „Möglichkeiten und Grenzen bei Psychotherapie bei Menschen mit komplexer Behinderung“. Ziel ist es, einen alltagspraktischen Einblick in die Arbeit von Psychotherapeuten bei der Arbeit mit mehrfachbehinderten Menschen zu gewinnen.

Es wird anhand praktischer Beispiele die Umsetzung von psychotherapeutischen Interventionen gezeigt. Dabei wird insbesondere auf die therapeutische Intervention der Verhaltensanalyse eingegangen. Diese ist oftmals hilfreich bei der Auswahl von Therapiezielen und der weiteren Therapieplanung. Es wird mit ihrer Hilfe allgemein versucht, Verhaltensauffälligkeiten in einen funktionalen und kausalanalytischen Kontext zu setzen. Dazu werden vorausgehende situative Bedingungen, individuelle Merkmale sowie die Regelmäßigkeit von aufrechterhaltender oder verstärkender Konsequenzen analysiert.

Aus den gewonnenen und strukturierten Informationen können im Anschluss diverse Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation abgeleitet werden. In dem Workshop wird der Einsatz von Verhaltensanalysen im Therapieprozess an konkreten Beispielen illustriert. Dabei wird auch versucht auf individuelle Erfahrungen der Teilnehmer im Umgang mit Menschen mit komplexer Behinderung einzugehen.

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